Sweet Home Chicago

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Unser Jahr in den USA (be flexible… some understand)

1985, das 2. PPP war angekommen. Präsident der Vereinigten Staaten war Ronald Reagan, in den Kinos lief „Back to the Future“ in der Hauptrolle Michael J. Fox, die Billboard Album Charts wurden angeführt von Bruce Springsteen (natürlich BORN IN THE USA) gefolgt von Brian Adams und Madonna und George Michael besang ein „Careless Whisper“. Neben der Bill Cosby Show waren das die Jahre im TV von Miami Vice und MacGyver.

Ich schreibe diese Zeilen weil es inzwischen unglaubliche 40 Jahre sind, dass das 2. PPP in den USA war. Ebenso verbinde ich die Hoffnung damit das der ein oder andere aus diesem Jahrgang über diesen Bericht stolpert und Kontakte wieder zustande kommen wo wir uns über die Jahre aus den Augen verloren haben.

Ebenso bin ich der festen Überzeugung, dass diese Zeit und das erlebte alle PPP Jahrgänge verbindet. Und sind es noch so viele Jahre, der ganz große Teil denkt sehr gerne an sein Jahr in Amerika zurück. Geschlossene Freundschaften, unvergessliche Erlebnisse und das kennenlernen Amerikas das uns manchmal sehr nahe ist und in manchen Dingen doch auch ein wenig fremd erschien sind ein Leben lang prägend. Auf jeden Fall kann man uns mit Fug und Recht als „Transatlantiker“ bezeichnen.

Es begann in New York….

Juli 1985, der erste Schwung des 2. PPP war am JFK gelandet. Wir standen vor dem Immigration Service und jeder hatte wohl die Hoffnung, dass der Officer nicht irgendwelche Fragen zur unserem J1 Visum stellt die wir nicht hätten beantworten können. Ab ging es zum YMCA Vanderbilt, EAST 47th Street. Wir waren alle fasziniert und nach der Begrüßung und der Einführung brannte jeder darauf am Abend „the city that never sleeps“ zu erkunden. Ausgestattet mit City- und Subwayplan ging es los. Man musste noch Subway Tokens kaufen die man bar am Automat bezahlt hat. 

Empire State Building, Rockefeller Center, die South Ferry nach Staten Island, Little Italy, Chinatown und natürlich Soho, die Begeisterung war jedem anzumerken. Für die meisten war es die erste Reise in die USA und jeder hatte ein gewisses „Abenteuer Feeling“. 

Am dritten Tag ging es auf die Reise – Home Stay Program – . Bus Terminal 42nd Street – Let’s go Greyhound – . Nachdem eine größere Anzahl von uns das Ziel Indiana hatte waren wir zu mehreren unterwegs. Die Route führte uns über York PA, Cleveland OH, Garrettsville OH und Paris, IL zu unseren College Orten. 

Die Herzlichkeit und Offenheit der Gastfamilien war beeindruckend. Wir wurden zu jedem erdenklichen Event in der Neighborhood mitgenommen. Fragen wie man in Deutschland sich fühlt wenn da eine Mauer durchs Land geht und die Russen nicht weit weg sind gehörten dazu. Auch ist es für viele Familien üblich an einem Sonntagnachmittag den Gottesdienst ihrer Kirche zu besuchen. Wir haben da auch festgestellt das dies für den Zusammenhalt in der Community unheimlich wichtig ist sich einmal in der Woche zu treffen und sich auszutauschen. Im Nachgang muss man sagen, dass das Home Stay Program unheimlich wertvoll war Amerika kennenzulernen und zu verstehen, quasi ein „Schnellkurs in zwei Wochen“. Ein Host hat mir an einem Sonntag die Baseball-Regeln beigebracht und damit eine erhebliche Bildungslücke bei mir geschlossen. „Take me home to the ballgame….“.

Ancilla College, Donaldson, IN

Ankunft in Plymouth, IN, abgeholt wurde ich von Sister Virginia Kampwerth und erst einmal eine große Erleichterung das auch mein zweiter Koffer den Weg von New York nach Indiana gefunden hat.

Ancilla ist, auch heute noch, ein katholisches College betrieben damals von den Poor Handmaids of Jesus Christ die neben dem Convent auch noch eine größere Farm betrieben haben, ein Altersheim für ältere Schwestern war ebenfalls angeschlossen. Der Ursprung des Ordens lag in Deutschland und die ersten Schwestern sind um 1850 nach Indiana ausgewandert.

Nachdem es erst Mitte August war und das eigentliche Zuhause noch nicht sicher war habe ich die ersten zwei Wochen mit den Schwestern verbracht. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass meine Begeisterung sich damals in starken Grenzen hielt. Dies hat sich aber im Nachgang als unbegründet herausgestellt. Ich komme kurz zum Motto des 2. PPP – be flexible…

Das Thema Gastfamilie hatte sich inzwischen erledigt. John Chandler ein Trustee des College hat mir und Markus Strobl sein „Wochenendhaus“, früher das Farmhaus seiner Großeltern, unweit des College zur Verfügung gestellt. Es hätte nicht besser kommen können.

Labor day parade in Plymouth, IN

Nach dem Labor Day begann das College und mein Unterricht hat sich auf Dienstag, Mittwoch und Donnerstagabend konzentriert, ich muss sagen meine Study-Life-Balance war ziemlich in Ordnung. Wir waren zu dritt am Ancilla, Markus aus Köln und Angelika aus Hannover waren auch noch dabei. Es war absolut faszinierend wie wir nach kurzer Zeit ein fester Teil der Community waren. Markus und ich haben mit dem Basketballteam den Ancilla Chargers trainiert und durften auch das ein oder andere Spiel mit bestreiten. Selbstverständlich waren wir auch immer zu den legendären Friday Night Partys eingeladen. Die fanden immer dort statt wo die Eltern gerade verreist waren oder bei uns denn wir hatten ja immer eine „Sturmfreie Bude“. Unsere amerikanischen Freunde hatten das auch ziemlich schnell kapiert. Wir haben zusammen Tennis gespielt, Sonntags traf man sich am College für eine Runde Flag-Football und wir hatten nie das Gefühl hier irgendwo alleine zu sein. Hatte mal eine Kommilitonin Stress mit ihren Eltern konnte sie auch gerne mal die Nacht auf unserer Couch verbringen. Ein Vorteil eines kleinen Community College, we were one family.

Eines ist mit bis heute noch in Erinnerung geblieben. Sister Virginia die inzwischen President des College war kam dann gelegentlich mal Abends bei uns vorbei. Wir saßen auf unserer Porch und haben  uns über „Gott und die Welt“ unterhalten. Sie war eine faszinierende Persönlichkeit, hoch intelligent, sehr interessiert und hat sich zwischenzeitlich mit einem Buch über die Geschichte der Poor Handmaids of Jesus Christ verewigt – „With loving concern“.

Mein Billiard Partner, Tim Garvin aus Brooklyn, New York. Er hat das Basketball-Team verstärkt. Meine „Lerngemeinschaft“ in amerikanischer Geschichte mit Jackie.

  We took our classes serious…at least sometimes.

 Die Zeit verstrich viel zu schnell und ich machte mir Gedanken wie wir die Zeit zwischen Weihnachten und Januar verbringen sollten. Wir wollten ja auch die USA erkunden und…

„California was calling….“

The Pacific Ocean….we made it!

On Tour, GO WEST…

Zu dritt machten wir uns auf den Weg, Birgit die damals im Staat New York war, Angelika und ich. Getroffen haben wir uns in Denver und mit dem Auto ging es dann weiter. Wir hatten uns folgende Tour vorgenommen:

Denver, Santa Fe, Flagstaff (Grand Canyon), Las Vegas (Silvester 1985), Los Angeles und dann weiter auf dem Highway 1 nach San Francisco um dann leider wieder den Rückflug anzutreten.

Es waren unvergessliche 3 Wochen und ein Roadtrip den man nicht vergisst. Über Angelikas Gasteltern hatten wir auch eine Anlaufstelle in LA. Familie Kaiser hat uns damals in ihrem Haus in Anaheim aufgenommen, das Familienoberhaupt hat sich sogar extra frei genommen um uns LA zu zeigen. Was soll ich sagen, die Gastfreundschaft war überwältigend.

Internship in Chicago

  Summer at Lake Michigan

 International House UChicago

Nach mehreren Bewerbungen, die leider im Sande verliefen, half diesmal ein glücklicher Zufall. Cathy Greiner die damals das Büro der Carl Duisberg Gesellschaft in Indianapolis leitete hatte einen Kontakt zur Quast Inc. in Chicago, einem Custom House Broker der Import- und Exportgeschäfte (Logistik) sowie die Zollformalitäten für amerikanische Unternehmen abwickelte. Der Standort, ein Traum. Chicago, South LaSalle St. direkt neben der Board of Trade. Mehr Downtown ging nicht. In the middle of the „loop“.

Wo aber unterkommen? Hier half mein Host aus Indiana, John Chandler. Ich konnte eine Woche bei seiner Tante wohnen und er hat mir dann ein Zimmer am International House der University of Chicago, 59th Street vermittelt. Das Ganze war damals auch noch bezahlbar.

Um ehrlich zu sein habe ich eine Gastfamilie in der „Windy City“ auch nicht unbedingt vermisst. Zum einen das Studentenleben am International House, die lieben Kollegen der Praktikumsstelle die auch keine Gelegenheit ausgelassen haben um nach Feierabend auszugehen, Sonntags zu den Chicago Cubs ins Wrighley Field zum Baseball….. Ich habe das Leben in Chicago wirklich aufgesogen und genossen. Aber alles der Reihe nach.

Es war Sonntag der 26. Januar 1986 als ich mit dem Greyhound Bus in Chicago ankam. Warum weiß ich das noch so genau? An diesem Sonntag gewannen die Chicago Bears die Super Bowl XX. Die Nacht wurde zum Tag und ich bis heute zu einem glühenden Chicago Bears Fan. Über den Montag reden wir dann besser nicht.

Die Aufnahme bei Quast Inc. war sehr gut. Nachdem ich auch in Deutschland bereits Exportgeschäft- Erfahrung gesammelt hatte konnte ich nach wenigen Tagen auch die gestellten Aufgaben voll erledigen. Es herrschte in diesem Unternehmen ein Teamgeist den ich bis heute selten erlebt habe.

Das International House, 59th Street liegt an der South Side of Chicago, so war ich morgens im Bus meistens der erste Weiße und Abends der letzte. Wir hatten bei Quast zwei Mitarbeiter die in der Nähe wohnten und mich Samstags (zumindest beim ersten Mal) zum Basketball spielen abgeholt haben. Alleine wären die drei Blocks zu Fuß in der Zeit nicht unbedingt ratsam gewesen. Man kannte mich aber dann in der Neighborhood. Dies war für mich prägend. Ich habe gerne an der South Side gelebt und mein Verhältnis zu den Black Americans wurde dadurch entscheidend beeinflusst. Deswegen auch mein Titel „Sweet Home Chicago“ auch nach so vielen Jahren ist diese Stadt immer noch „my second home“ und dies wird auch immer so bleiben.  

Zum Abschluss des Jahres unternahm ich noch einen zweiten Roadtrip nach Eastern Tennessee. Grund war eine Einladung meiner damaligen Ausbildungsfirma in Deutschland das Werk in Morristown zu besuchen. Mit dem Auto ging es über Indianapolis, Louisville und Nashville nach Morristown. Der Rückweg dann über West Virginia durch Ohio, Niagara Falls und wieder zurück nach Chicago. Das war auch die willkommene Gelegenheit den Freunden am Ancilla College auf dem Rückweg „Good Bye“ zu sagen und am College noch ein paar schöne Tage zu verbringen.

Zum Schluss noch unser Abschlussseminar in Washington D.C. und dann leider zurück nach Deutschland.

Zusammenfassend ein Jahr das man nicht vergisst. 

Nicht nur die geschlossenen Freundschaften, auch der Einfluss auf die weitere persönliche und berufliche Entwicklung war dieses Jahr einfach prägend. Ohne Smartphone und Social Media waren wir damals einfach mal weg…und das war auch meistens ganz gut so. Auch das eigene Verhältnis zu den Vereinigten Staaten hat das PPP wesentlich beeinflusst. Das Ziel des PPP die Beziehungen zu den USA zu stärken wurde, so würde ich sagen, voll erreicht.

Mein Gruß gilt auch Erich vom 3. PPP und seinem 8 Wochen Roadtrip (Erfahrungsbericht). Erich, ihr seid mit Sicherheit in die Geschichte des PPP eingegangen.

Dieser Bericht ist Markus Strobl gewidmet. Markus war mit mir 1985 am Ancilla College. Markus hat damals in Indianapolis die Liebe des Lebens gefunden, Martha. Die beiden haben 1987 in Köln geheiratet und haben 3 Jahre in Deutschland gelebt. Danach ist er als Partner an seine damalige Praktikumsstelle, einer Kunstglaserei, nach Indy zurückgekehrt. Später hat er sein eigenes Unternehmen in Rushville, IN gegründet. Markus verstarb viel zu früh 2013 in Rushville.

Markus wird immer ein Teil meines Jahres in den USA bleiben.

The Blues Brothers…

Das „Indiana“ 2.PPP. Anlass war damals ein Treffen mit Senator Richard Lugar.

 

von Rainer (2. PPP, 1985/1986)

Berlin-Brandenburg

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Karla Lange

RG LeiterIN

PPP Jahrgang / Platzierung
38. PPP / Atlanta, GA